Alien Syndrome Review / Test
18. September, 2007 von Simon
Hack’n'Slay: Eine sehr einfache Spielgattung, die uns auf dem Wii leider noch viel zu wenig untergekommen ist. Publisher SEGA und die Entwickler von Totally Games haben sich wohl dasselbe gedacht und veröffentlichen mit Alien Syndrome ein Game eben jener Gattung, das ausnahmsweise nicht im Fantasy-Setting angesiedelt wurde. Stattdessen kämpft ihr mit Laserkanonen, Scharfschützengewehren oder Flammenwerfern gegen garstige Ausserirdische und schaut, dass sich euer Charakter auch brav weiter entwickelt. Das war’s. Mehr dazu im Review (richtig, das war sarkastisch).
Ich zähle euch mal kurz auf, was ein klassisches Hack’n'Slay Game so mit sich bringt und weshalb es eigentlich attraktiv ist. Der wichtigste Punkt: Den menschlichen Sammeltrieb ausnutzen. Wer einmal Diablo auf dem PC gespielt hat, weiss genau,
was gemeint ist. Den dank diesem Sammeltrieb matscht man auch nach 2 Uhr morgens noch munter durch düstere Gänge, obwohl das Gameplay eigentlich sehr repetitiv ist. Zweiter Punkt: Viel Abwechslung bei Gegnerhorden (auch optisch). Drittens: Wenn möglich eine einigermassen anständige Story auf die Beine stellen, die das stundenlange Verfolgen von irgendwelchen Viechern wenigstens halbwegs rechtfertigt. Nun da dies gesagt ist, lest selbst, was aus Alien Syndrome geworden ist.
Und so funktionierts
“Hab nix zu tun.” - “Wie wär’s mit Aliens über den Haufen ballern?”- “Okay.” Ungefähr so wird wohl das erste Hack’n'Slay entstanden sein. Das Genre zeichnet sich durch ein sehr einfaches Gameplay aus. Im Falle von Alien Syndrome ist der
User auf einem fremdartigen Raumschiff (einer Terraforming Station namens SATS) unterwegs, um eben diese von bösartigen Aliens zu befreien. Gesteuert wird die Spielfigur (Ltd. Aileen Harding) von oben, wobei sich die Sicht je nach Situation auch verändern kann. Das Setting kann man sich als typische Raumschiff-Umgebung vorstellen, in der es von Kisten, Kleinschiffen, Ersatzteilen oder sonstigem Kram nur so wimmelt. Man schleppt sich also mitsamt seiner Wumme und einigen sonstigen Items wie Health Packs und Reservepunkten (=Geld) durch die Station und ballert alles tot, was einen angreift. Aliens kommen dabei als Roboter, Blitzkugeln, in Pflanzen- oder gar der klassischen Schleimform vor. Um etwas Abwechslung ins Spiel zu bringen, darf man sich im Vorfeld für einen Charaktertypus entscheiden: Scharfschütze, Chef fürs Explosive, Taucher / Naturexperte, Flammenwerfer oder Tank. Jede der Klassen hat ihre Vor- und Nachteile, was dem Ganzen gesehen einen taktischen Aspekt verleiht.
Scarab ahoi
Ganz alleine müsst ihr euch zum Glück nicht in die Schlacht begeben. Scarab heisst der kleine Roboter, der ständig über euch schwebt und ab und zu in die Schlacht mit eingreift. Daneben dient er als Waffendepot, denn gegen das Eintauschen von Reservepunkten füllt er einen die Energie auf, tankt Munition nach oder verhilft zu neuer Rüstung. Einen Shop in diesem Sinne gibt es nicht.
Durch das Kämpfen gewinnt Aileen Erfahrungspunkte, die ihr auf verschiedene Werte wie Kraft, Ausdauer oder Agilität verteilen könnt. Auch speziellere, eher vertiefte Fähigkeiten wie etwa “Sprengstoff” können durch Punkte gestärkt werden, was im Verlauf de Spiels dann zu Vorteilen in der jeweiligen Disziplin führt. Auch Level Ups sind mit dabei.
Wie immer ist beim Wii die Steuerung relativ wichtig, deshalb wir auch in diesem Review näher darauf eingehen möchten. Wie erwähnt sieht der User die Spielfigur stets von oben. Gesteuert wird sie mit dem Analogstick des Nunchuck, während ihr mit der Wiimote auf die Widersacher zielt. Im Nahkampf dagegen kommt bei starken Schlägen (mit Stöcken) eine schwungartige Bewegung zum Einsatz. Was cool tönt, ist in der Realität jedoch extrem schwierig. Oft erkennt das Spiel die Schläge gar nicht als solche, was insbesondere aufgrund des hohen Schwierigkeitsgrad kein Zuckerschlecken ist, denn oft landet man nach einem misslungenen Schlag im Jenseits. Zudem kann man die Wiimote nicht nur ein bisschen schwingen, sondern muss richtig ausholen - birgt echte Verletzungsgefahren, ich versprechs. Fazit: Kaum brauchbar.
Hektische Zeiten
Leider macht der negative Eindruck nicht bei der Steuerung halt, sondern setzt sich mit fortschreitendem Spiel auch in anderen Bereichen fest. In Punkto Gameplay bietet Alien Syndrome nämlich kaum Abwechslung. Die Story bietet keinerlei Wendungen oder interessante Punkte, das Verhalten der Gegner ist absolut vorhersehbar (und doch trotzdem schwierig zu
bekämpfen) und es gibt viel zu wenige Items im Spiel. Damit macht sich der zu Beginn des Textes beschriebene Sammeltrieb gar nicht erst breit, was zur Folge hat, dass man keine Anreiz hat, weiter zu spielen.
Abhilfe schaffen leider auch ein paar Minigames nicht, die zur Abwechslung integriert wurden. Einige versteht man nicht, andere sind schlichtweg langweilig. Dazu kommen eher unfaire Regeln: So kann man ein Spiel nur einmal probieren, danach heisst es ByeBye zur wertvollen Kiste, die man eigentlich öffnen wollte. Ähnlich verhält es sich übrigens mit den Speicher- bzw. Checkpoints: Oft genug segnet man kurz vor den sehr raren Punkten das Zeitliche und darf von vorne beginnen. ARGH!
Eher mittelmässig: Grafik
Bereits die Screenshots haben im Vorfeld zu Alien Syndrome gezeigt, dass man grafisch keine Wunderwerke erwarten sollte. So ist die Umsetzung denn auch eher auf PS2 Niveau. Natürlich ist der Wii von Geburt an nicht für prächtige 3D Grafiken geschaffen, trotzdem hätte hier schon ein bisschen Mehraufwand wunder bewirkt. Komischerweise enttäuscht vor allem auch das Leveldesign bzw. die Levelausstattung, die oft, gelinde gesagt, erbärmlich wirkt. Echt schade, denn solche Punkte hätte man mit wenig Mitteln beheben können. Alien Syndrome macht fast den Eindruck, als hätten die Entwickler das Spiel etwas überhastet in die Presse geliefert.
Akkustisch liefert Alien Syndrome keine Meisterwerke ab, fällt aber auch nicht negativ auf. Trotz sehr repetitivem Gameplay stören die Soundeffekte nie, was man durchaus als Kompliment auffassen darf.
Fazit
Nee. Alien Syndrome vermaselt so ziemlich alles, was ein echtes Hack’n'Slay zum spannenden Spiel machen würde. Über durchschnittliche Grafik könnte man ja noch hinweg schauen, aber die zum Teil katastrophale Steuerung ist unverzeihlich. Dass kaum in die Story investiert wurde (lest mal den Verpackungstext, dann wisst ihr, was ich meine) oder das Gameplay sehr eintönig ist, komplettiert leider das Bild eines sehr halbpatzigen Spiels. Alien Syndrome kann für kurze Momente zwar ein bisschen Spass machen, steht sich aber grösstenteils selbst im Weg. No Good.
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